Ketogene Diät bei Neuroblastomen

kokosölSalzburger Forscher suchen nach perfekter Diätzusammensetzung

Wie sollte eine ketogene Diät zusammengesetzt sein, um einen maximalen Anti-Tumor-Effekt zu erzielen und dem Patienten trotzdem keine therapieentscheidende Energie vorzuenthalten. Salzburger Wissenschaftler forschen nach der Lösung.

Neuroblastome sind bösartige Tumore des sympathischen Nervensystems, die vor allem im Nebennierenmark oder entlang des Grenzstrangs an der Wirbelsäule auftreten und zur dritthäufigsten Krebserkrankung bei Kindern zählen. Die bisherigen Therapieoptionen sind oft mit starken Nebenwirkungen bzw. erheblichen Langzeitfolgen verbunden, die Überlebende noch bis ins Erwachsenenalter begleiten. Da Neuroblastome ähnlich wie andere solide Tumore einen deutlichen Warburg-Effekt zeigen, testen Wissenschaftler der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg derzeit den Einfluss einer ketogenen Diät auf das Tumorwachstum – vorerst allerdings an Mäusen, in denen mit humanen Neuroblastomzellen Tumore erzeugt wurden.

Erste Versuche zeigten eine hoch-signifikante Reduktion des Tumorwachstums durch ketogene Ernährung bzw. Kalorienrestriktion im Vergleich zu den herkömmlich gefütterten Tieren. Eine niedrig dosierte Chemotherapie mit Cyclophosphamid zeigte ebenfalls Erfolge, die durch die restriktive Diät noch verbesserte werden konnten [1]. Die Kombination der metronomischen Therapie mit einer kalorienreduzierten ketogenen Diät im Verhältnis Fett zu Eiweiß + Kohlenhydrate 2:1 führte sogar zum Stillstand des Tumorwachstums und in einigen Fällen sogar zur Remission [2].

Allerdings ist eine Einschränkung der Kalorienzufuhr bei Krebspatienten eher hinderlich für den Therapieerfolg. Die Forscher testen daher nun verschiedene Fettzusammensetzungen der ketogenen Diät, in der Hoffnung, ähnliche Erfolge auch ohne Kalorienrestriktion erzielen zu können.
Einen ersten Teilerfolg konnten sie nun durch eine Anhebung der Fettmenge und die zusätzliche Gabe von MCT-Fett erreichen, unter der es in Kombination mit der metronomischen Cyclophsphamid-Therapie ebenfalls zum Stillstand des Tumorwachstums kam. Die ketogene Diät setzte sich dabei zu 8 Teilen aus Fett und 1 Teil Eiweiß + Kohlenhydraten zusammen und wurde mit 25% MCT8 (mittelkettige Fettsäuren mit 8 Kohlenstoffeinheiten) angereichert [3].

Weitere Studien sollen nun klären, ob sich mit einer weiteren Optimierung des Fettsäuremusters der Gesamtfettanteil bei gleichbleibendem Therapieeffekt noch reduzieren lässt, um die Anwendbarkeit der therapeutischen Diät in der Praxis zu verbessern.

Quellen
1. 1. Morscher RJ et al. (2015): Inhibition of Neuroblastoma Tumor Growth by Ketogenic Diet and/or Calorie Restriction in a CD1-Nu Mouse Model. PLoS One; 10(6): e0129802. [Link zum Artikel].
2. 2. Morscher RJ et al. (2016): Combination of metronomic cyclophosphamide and dietary intervention inhibits neuroblastoma growth in a CD1-nu mouse model. Oncotarget; 7: 17060-17073. [Link zum Artikel].
3. 3. Aminzadeh S et al (2017): A ketogenic diet supplemented with medium-chain triglycerides enhances the anti-tumor and anti-angiogenic efficacy of chemotherapy on neuroblastoma xenografts in a CD1-nu mouse model. Oncotarget [Link zum Artikel].