Krebshemmer Beta-Hydroxybutyrat

FetttropfenMehr als nur Energie für die Zellen:

Beim Fasten und unter einer ketogenen Ernährung bildet der Körper vermehrt Ketonkörper. Diese Fettabkömmlinge sind eine ideale Energiequelle für die meisten gesunden Körperzellen und können auch das Gehirn versorgen.
Doch neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Ketonkörper auch direkt in den Zellstoffwechsel eingreifen und möglicherweise selbst eine krebshemmende Wirkung haben.

Besonders Beta-Hydroxybutyrat hat einige für die Krebstherapie beachtenswerte Wirkweisen.

Hemmung von HDAC-Enzymen

Normalerweise ist unser DNA-Strang wie eine Schnur auf einer Rolle um sogenannte Histoneiweiße gewickelt. Wird ein Gen zur Bildung neuer Proteine abgelesen, wird das DNA-Stück an dieser Stelle etwas „abgewickelt“. Sollen bestimmte Gene weniger abgelesen werden, vermitteln HDAC-Enzyme eine stärkere Bindung an die Histone und verringern so die Lesbarkeit der Gene. Krebszellen nutzen dies für sich, indem sie verstärkt solche HDAC-Enzyme bilden und damit das Ablesen von Tumorsuppressor-Genen verringern. Als Tumorsuppressoren werden alle regulierenden Zellproteine bezeichnet, die eine Zelle am unkontrollierten Wachstum hindern sollen. Beta-Hydroxybutyrat hemmt die Aktivität der HDAC-Enzyme und trägt so dazu bei, dass die wachstumshemmenden Tumorsuppressor-Gene weiter abgelesen werden können 1.

Sensibilität gegenüber Chemo- und Strahlentherapie

In verschiedenen Zellversuchen mit Glioblastomazellen (Zellen bestimmter, sehr aggressiver Hirntumore) verstärkte Beta-Hydroxybutyrat die Empfindlichkeit der Tumorzellen gegenüber einer niedrig-dosierten Bestrahlung. In einem weiteren Versuch potenzierte es die Wirkung des starken Chemomedikaments Carmustin auf die aggressiven Tumorzellen 2. Ketonkörper sind somit möglicherweise mitverantwortlich für die unter einer ketogenen Diät oft beobachtete effektivere Wirksamkeit der Chemo- und Strahlentherapie.

Entzündungshemmung

Chronische Entzündungen gehen mit einer hohen Radikalbildung einher und ebnen so Krebs oft den Weg. Eine zentrale Rolle im Entzündungsgeschehen spielen sogenannte Inflammasome. Hierbei handelt es sich um einen Komplex aus mehreren Proteinen, die bildlich gesprochen eine Art „Entzündungswerkstatt“ in der Zelle bilden und eigentlich ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr sind. Fehlgeleitete Inflammasome spielen jedoch bei einer Vielzahl an chronischen Erkrankungen eine Rolle. Gicht, Arthritis, Morbus Crohn, Alzheimer, Diabetes aber auch Krebs sind nur einige davon. Beta-Hyroxybutyrat blockiert Entzündungsprozesse, die durch das Inflammason verursacht werden und trägt so zu einer geringeren Radikalbildung bei 3. Übrigens, auch Omega-3-Fettsäuren sollen auf den Proteinkomplex hemmend wirken.


Quellen

  1. [Shimazu T et al. (2013): Suppression of Oxidative Stress by β-Hydroxybutyrate, an Endogenous Histone Deacetylase Inhibitor. Science; 339(6116): 211–214. [Link zum Artikel]
  2. Woolf, EC; Seyd, N.; Scheck, AC (2016): Tumor Metabolism, the Ketogenic Diet and β-Hydroxybutyrate: Novel Approaches to Adjuvant Brain Tumor Therapy. Front Mol Neurosci; 9: 122. [Link zum Artikel]
  3. [Youm, YH et al. (2015): Ketone body β-hydroxybutyrate blocks the NLRP3 inflammasome-mediated inflammatory disease. Nat Med.; 21(3): 263–269. [Link zum Artikel]