Pro Fett, contra Kohlenhydrate

PURE StudieErgebnisse der PURE-Studie stellen gängige Ernährungsempfehlungen auf den Kopf

Wer den offiziellen Ernährungsempfehlungen der führenden Ernährungsfachgesellschaften folgt, könnte laut kanadischen Forschern ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko haben

„Esse fettarm, moderat Eiweiß und decke deinen Energiebedarf mindestens zur Hälfte aus Kohlenhydraten.“ So lassen sich die offiziellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Nährstoffverteilung grob zusammenfassen. Kanadische Forscher liefern nun aber Hinweise, dass diese Empfehlungen Krankheiten mehr fördern könnten als sie zu verhindern. Grundlage hierfür ist Analyse der Ernährungsgewohnheiten von rund 135.000 Menschen im Alter zwischen 35 und 70 Jahren aus 18 Ländern auf 5 Kontinenten1.

Die Ergebnisse nach 7,4 Jahren Beobachtung:

  • Ein hoher Kohlenhydratkonsum war mit einem erhöhten Gesamtsterblichkeitsrisiko verbunden.
  • Die Gesamtfettaufnahme und einzelne Fettarten waren mit einem geringeren Sterblichkeitsrisiko assoziiert.
  • Eine erhöhte Aufnahme an gesättigten Fetten ging mit einem geringeren Schlaganfallrisiko einher.
  • Es bestand kein Zusammenhang zwischen einem hohen Fettkonsum und kardiovaskulären Erkrankungen, Myokardinfarkten oder einer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbundenen erhöhten Sterblichkeit.

Für die Autoren steht fest: Die gängigen Ernährungsrichtlinien müssen überarbeitet werden.

Ob dies ausgehend von den Ergebnissen der PURE-Studie wirklich geschehen wird, ist aber zweifelhaft, da Vertreter der entsprechenden Fachgesellschaften die Ergebnisse anzweifeln und monieren, dass neben 3 Industrienationen vor allem Länder mit mittlerem Einkommen sowie einige einkommensschwache Länder einbezogen wurden. Eine Übertragung der Ergebnisse auf Länder mit westlichem Lebensstil und Ernährung wäre ihrer Ansicht nach nicht gegeben.
Immerhin ein kleiner Fortschritt: Zeitnah zur Veröffentlichung der Ergebnisse der PURE-Studie hat die DGE ihre 10 Ernährungsregeln überarbeiteten und empfiehlt jetzt statt einer betont fettarmen Ernährung die Nutzung gesundheitsfördernder Fette wie etwa Rapsöl.


Quellen

  1. Dehghan, M et al. (2017): Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study. The Lancet
    [Link zum Artikel].